Kontrollmessung durch Deutsche Umwelthilfe (DUH): Diesel überschreiten trotz Software-Update weiter die Grenzwerte

Veröffentlicht am: 18.04.2018

Software-Updates sollen dafür sorgen, dass Diesel-Fahrzeuge die zulässigen Grenzwerte einhalten. Viele Autokäufer und auch Experten stehen diesen Updates skeptisch gegenüber und bezweifeln, dass der Stickoxid-Ausstoß dadurch entscheidend reduziert wird. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) behalten die Kritiker recht.

Wie die DUH berichtet, hat sie bei 15 Fahrzeugen die Abgasemissionen bei niedrigen Temperaturen getestet. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Kein einziges der getesteten Fahrzeuge hielt die Grenzwerte für den Stickoxid-Ausstoß bei den winterlichen Straßenmessungen ein – auch nicht nach dem Software-Update.

Quer durch Marken und Fahrzeugklassen wurden die Grenzwerte bei den Messungen überschritten. Trauriger Spitzenreiter war der Opel Zafira 1.6 CDTi Euro 6, der die Grenzwerte bei Außentemperaturen um den Nullpunkt um das 18-fache überschritt. Auch der Audi A8 3.0 TDI Euro 6 lieferte erschreckende Werte und überschritt den Grenzwert für Stickoxid-Emissionen um das sechsfache.

Für Rechtsanwalt Helmut Göbel, KQP Rechtsanwälte / Hamm, ist die Konsequenz aus diesen Messergebnissen der DUH klar: „Software-Updates reichen nicht aus, damit Diesel-Fahrzeuge die zulässigen Grenzwerte einhalten. Für die Halter dieser Pkw bedeutet dies, dass sie über kurz oder lang mit Fahrverboten rechnen müssen. Vom Wertverlust dieser Fahrzeuge ganz abgesehen.“

Zu aufwendigeren Hardware-Nachrüstungen waren die Autohersteller bisher allerdings nicht bereit. Freiwillig werden sie diese Haltung wohl auch nicht ändern. Ganz im Gegensatz zu den USA: Dort dürfen nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung (SZ)“ vom August 2017 VW Golf, Beetle, Jetta und Passat sowie Audi A3 „nicht mehr zugelassen oder exportiert werden – bis sie nachgerüstet wurden.“ Zwischenzeitlich – so die „SZ“ weiter, habe VW die Genehmigungen für „Soft- und Hardware-Updates für fast alle betroffenen Zwei-Liter-Motoren.“ Bis Mitte Juni 2017 hatte VW nach dem v. g. Bericht exakt 275.601 Zwei-Liter-Diesel zurückgekauft, 10.027 Leasingverträge beendet und den – ehemaligen – „Besitzern insgesamt 6,3 Milliarden Dollar ausgezahlt.“

„Verbrauchern bleibt in Deutschland wohl nur der Klageweg, um ihre Rechte durchzusetzen“, sagt Rechtsanwalt Göbel, der bereits zahlreiche vom Abgasskandal betroffene Autokäufer vertritt. „Selbst wenn die Käufer schon ein Update haben aufspielen lassen, können sie ihre Rechte auf Schadensersatz oder Rückabwicklung des Kaufvertrags noch durchsetzen“, ergänzt Rechtsanwalt Göbel. So haben unlängst beispielsweise das Landgericht Hamburg (Az.: 329 O 105/17) und das Oberlandesgericht Köln (Az.: 18 U 134/17) entschieden, dass die Installation des Updates den Ansprüchen des Käufers nicht entgegensteht. Rechtsanwalt Göbel: „Die vom Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge weisen durch den Einsatz der Manipulationssoftware einen Mangel auf, der sich nicht ohne weiteres durch das Aufspielen eines Updates beheben lässt. Dieselfahrer können daher ihre Ansprüche auch nach dem Aufspielen eines Updates nach wie vor geltend machen. Dabei ist aber zu beachten, dass Schadenersatzansprüche gegen Händler sowie VW und deren Töchter (Audi, Porsche, Skoda, etc.) am 31.12.2018 verjähren!“

 

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