Erbrecht – wenn der Nachlass nicht geregelt wird!

Veröffentlicht am: 31.08.2017

Ein großer Teil der Deutschen verfasst weder ein Testament noch kommt es zum Abschluss eines Erbvertrages.

Dies führt dazu, dass die gesetzliche Erbfolge eintritt.

Die Konsequenz hieraus sind oftmals Streitigkeiten zwischen den Kindern des Erblassers untereinander oder zwischen dem Ehepartner des Erblassers und den Kindern oder (im Falle der Kinderlosigkeit) zwischen dem überlebenden Ehepartner und den Verwandten des Erblassers.

Einige Einzelheiten:

  • Kinder und Ehepartner können – zumindest im Regelfall, wenn nicht Gründe für eine Erbunwürdigkeit vorliegen – durch Testament zwar nicht von der Erbfolge ausgeschlossen werden, doch besteht die Möglichkeit, diese durch eine entsprechende testamentarische Regelung auf den Pflichtteil (1/2 des gesetzlichen Erbteils) zu setzen und über das verbleibende Erbe durch Testament zu bestimmen.
  • Sind Abkömmlinge des Erblassers vorhanden,
    • so sind bei gesetzlicher Erbfolge entferntere Verwandte zwar vom Erbe ausgeschlossen (z.B. auch Geschwister des Erblassers), doch kann auch in diesem Fall der Erblasser – zumindest unter Belassung der Pflichtteile – testamentarisch frei verfügen;
    • so steht dem Ehepartner bei gesetzlicher Erbfolge zwar 1/4 und – falls der gesetzliche Güterstand zwischen den Eheleuten bestand – aufstockend ein weiteres 1/4 des Nachlasses als pauschalierter Zugewinn (also insgesamt 1/2 des Erbes) zu, und die Kinder haben in diesem Fall je nach Sachlage 1/2 bzw. 3/4 des Erbes jeweils zu gleichen Anteilen erhalten. Doch auch in diesem Fall kann der Erblasser unter Belassung der Pflichtteile durch Testament frei verfügen.
  • Sind keine Abkömmlinge des Erblassers vorhanden,
    • so gilt das Vorhergesagte zugunsten des Ehepartners entsprechend mit der Maßgabe, dass dem Ehepartner dann 1/2 des Nachlasses und aufstockend ein weiteres 1/4 als pauschalierter Zugewinn (also insgesamt 3/4 des Erbes) zustehen;
    • so steht der übrige Anteil je nach Sachlage im Umfang von 1/4 bzw. 1/2 des Erbes den Eltern des Erblassers und
    • (wenn diese verstorben sind) den Geschwistern desselben zu.

Fazit:

Zur Vermeidung von Streitigkeiten sollte frühzeitig entweder durch den einzelnen oder durch beide Ehegatten gemeinsam ein Testament errichtet oder – in komplizierteren erbrechtlichen Fällen – ein Erbvertrag geschlossen werden.

Bei Fragen zum Thema können Sie uns gern kontaktieren.

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