Der Abgasskandal hat auch den VW Touareg erfasst

Wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am 08.12.2017 und 09.02.2018 den Rückruf für den Geländewagen an. Betroffen ist der VW Touareg der Baujahre 2014-2017 mit 3-Liter-Dieselmotor und der Euro-Norm 6.

VW hat dem KBA bereits ein entsprechendes Software-Update vorgelegt. Nach der Freigabe kann die Rückrufaktion starten.

Der Rückruf ist nötig, da das KBA bereits Ende 2017 zwei unzulässige Abschalteinrichtungen bei den betroffenen Touareg-Modellen festgestellt hatte. Demnach sprang einerseits auf dem Prüfstand eine Aufwärmstrategie zur Schadstoffminderung an, die aber im normalen Straßenverkehr kaum aktiviert wurde. Andererseits wurde beim Touareg mit SCR-Abgaskatalysator eine Technik eingesetzt, die unter bestimmten Voraussetzungen die Nutzung der Harnstofflösung Adblue unzulässig einschränkt. „Gerade die SCR-Katalysatoren galten zusammen mit der Adblue-Technologie als emissionsarm, da dadurch der Ausstoß der gesundheitsgefährdenden Stickoxide deutlich reduziert werden sollte. Offensichtlich wurde aber auch hier gepfuscht“, sagt Rechtanwalt Helmut Göbel (KQP Rechtsanwälte/Hamm).

Den Haltern der betroffenen Touareg-Modelle droht nun das, was so viele VW-Fahrer seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals schon erleben mussten. Sie sollen ihr Fahrzeug in die Werkstatt bringen, damit ein Update aufgespielt werden kann. Die Auswirkungen eines Updates auf Verbrauch, Leistung oder Lebenserwartung des Motors stehen allerdings noch gar nicht fest. „Verständlich, dass sich daher viele Besitzer dagegen sträuben, ein solches Update aufspielen zu lassen“, so Rechtsanwalt Göbel, der bereits zahlreiche vom Abgasskandal betroffene Autokäufer vertritt.

Seiner Einschätzung nach haben die betroffenen Verbraucher gute Chancen, sich gegen dieses Vorgehen von VW erfolgreich zu wehren. „Unzulässige Abgasmanipulationen sind ein Mangel, der sich nicht so ohne weiteres beheben lässt. Von daher können die Käufer Schadensersatzansprüche oder Ansprüche auf Rückabwicklung des Kaufvertrags geltend machen“, so Rechtsanwalt Göbel. Diese Einschätzung wird inzwischen von immer mehr Gerichten geteilt. Auch die Oberlandesgerichte Hamm und Köln gaben zuletzt deutlich zu erkennen, dass sie auf Seiten der Verbraucher stehen.

[UPDATE 12.03.2018] – Update verweigern?
Zwischenzeitlich hat VW mit dem Rückruf der Fahrzeuge des Typs „Touareg“ begonnen. Insoweit stellt sich die Frage, soll man dem Rückruf folgen oder das Aufspielen des Updates verweigern. Viele VW-Kunden befinden sich insoweit in einer ‚Zwickmühle‘. Schließlich gibt es Hinweise, dass nach dem Aufspielen des Updates Probleme wie ein höherer Verbrauch oder auch Schäden am Abgasrückführungsventil auftreten können.

Problematisch ist auch, ob durch das Update ggf. Ansprüche der Kunden gegen VW gefährdet werden können, da nach einem Update der ursprüngliche Mangel, nämlich das Vorhandensein einer unzulässigen Abschalteinrichtung, nicht mehr vorhanden sein dürfte.

Da nicht auszuschließen ist, dass umgerüstete Fahrzeuge nach einem Update neue Mängel aufweisen können (wie z. B. gesunkene Leistung, Mehrverbrauch, etc.) und der Kunde sodann nachweisen muss, dass diese neuen Mängel auf das Aufspielen des Updates zurückzuführen sind, sollte sich jeder Kunde, der zum Aufspielen eines Updates aufgefordert wird, zuvor durch einen darauf spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen.

Dies gilt insbesondere auch deshalb, da erst kürzlich das Verwaltungsgericht Karlsruhe eine durch die Zulassungsstelle – wegen eines nicht aufgespielten Updates – beabsichtige Stilllegung eine VW-Amarok gestoppt hat.

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