OLG Hamm: 100.000 € Schmerzensgeld wegen grob fehlerhaft nicht abgeklärter Hautkrebssymptomatik an einem Zehennagel

Veröffentlicht am: 02.02.2016

Mit Urteil vom 27.10.2015 hat das Oberlandesgericht Hamm (26 U 63/15) eine dermatologische Gemeinschaftspraxis wegen eines groben Behandlungsfehlers zur Zahlung von 100.000 € Schmerzensgeld verurteilt.

Die zwischenzeitlich verstorbene Ehefrau des Klägers war wegen einer Auffälligkeit an einem Zehennagel nach einer hausärztlichen Überweisung von einem der beklagten Hautärzte behandelt worden. Nach sachverständiger Begutachtung gelangte das Gericht zu der Auffassung, dass neben einem Nagelhämatom auch eine Pilzerkrankung und ein Melanom (ein bösartiger Tumor) in Betracht gekommen waren.

Von allen möglichen Krankheitsuraschen sei das Melanom die mit Abstand gefährlichste gewesen, zumal sie potentiell tödlich verlaufen kann; diese hätte unbedingt im Rahmen einer Differentialdiagnostik ausgeschlossen werden müssen. Hierzu wäre dringend eine vom Facharzt vorgenommene Probenentnahme angezeigt gewesen. Im verhandelten Fall hingegen hatte der behandelnde Dermatologe jedoch die Patientin selbst über den Ort der Probenentnahme entscheiden lassen, was grob fehlerhaft gewesen sei. So kam es, dass sich die Patientin für einen ungeeigneten Ort zur Probenentnahme entschieden hatte und sich aus der Probe lediglich ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion ergab.

Überdies hätte die Patientin wegen der herausragenden Bedeutung des Untersuchungsergebnis nach dem Vorliegen desselben wiedereinbestellt werden müssen, was ebenfalls fehlerhaft unterblieben ist. Statt dessen war sie lediglich telefonisch informiert worden, ohne weitere Verhaltensanweisung bei fortdauernden Beschwerden.

Das Gericht folgte dem Sachverständigen in der Einschätzung, dass bei einer rechtzeitigen Amputation des Zehes eine hypothetische Chance auf vollständige Heilung bestanden hatte. Das finale Ergebnis des Todes der Patientin rechnete das Gericht den Beklagten zu.

Bei der Bemessung des Schmerzensgeldanspruches berücksichtigte das Gericht die erhebliche Verkürzung der Lebenszeit der 55-jährigen Patientin, die Leidenszeit von ca. drei Jahren und die durchgeführten belastenden Eingriffe, insbesondere nach der Bildung von Metastasen. Außerdem habe sich die Patientin auf ihren Tod einstellen müssen; dies sei ihr bewusst gewesen.

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