OLG Hamm: Fehlende Aufklärung eines Zahnarztes über alternative Anästhesieform

Veröffentlicht am: 23.08.2016

Mit Urteil vom 19.04.2016 hat das Oberlandesgericht Hamm (26 U 199/15) einen Zahnarzt wegen eines Aufklärungsfehlers zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt, da er nicht über eine gleichwertige alternative Anästhesieform aufgeklärt hatte.

Der Patient hatte vor der Behandlung angegeben, Angstpatient zu sein. Der Arzt wählte als Anästhesieform eine sog. Leitungsanästhesie. Bei dieser Form der örtlichen Betäubung werden gezielt Nerven im betroffenen Bereich betäubt. Über die alternative Möglichkeit einer sog. intraligamentären Anästhesie, bei welcher das Betäubungsmittel stattdessen in den Desmodontalspalt zwischen Zahnwurzel und umgebendem Gewebe gespritzt wird, hatte er hingegen nicht aufgeklärt.

Das OLG stellte fest, dass die Behandlung zwar an sich nicht fehlerhaft und auch die gewählte Narkoseform indiziert gewesen seien. Dennoch hafte der Zahnarzt, da der Eingriff mangels wirksamer Einwilligung rechtswidrig gewesen sei. Beide Anästhesieformen unterschieden sich in ihren Risiken und Erfolgschancen, so dass in einem solchen Fall nicht der Arzt, sondern der Patient entscheiden müsse. Dies kann er aber nur bei einer vollständigen und umfassenden Aufklärung.

Im entschiedenen Fall sei die intraligamentäre Anästhesie eine gleichwertige Alternative gewesen, da der Kläger Angstpatient war und bei dieser Narkoseform, anders als bei der vom Beklagten angewandten Leitungsanästhesie, die Gefahr einer Nervenverletzung nicht gegeben sei. Wegen Zeitmangels im täglichen Praxisbetrieb darf ein Arzt die gebotene Aufklärung nicht abkürzen oder gar einsparen.

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