GMAC-RFC GmbH zum Schadensersatz verurteilt

Veröffentlicht am: 30.03.2016

Die GMAC-RFC GmbH (nunmehr Adaxio AMC GmbH) wurde aktuell durch ein noch nicht rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Wiesbaden vom 17.03.2016 vollumfänglich zum Schadensersatz verurteilt.

Das Gericht stellte nun fest, dass die GMAC im konkreten Fall besondere Hinweis- und Aufklärungspflichten bezüglich des finanzierten Geschäfts verletzt hatte, weil sie – durch ihr .systematisches Vorgehen zum Nachteil der Darlehensnehmer (dazu sogleich) – einen zu den allgemeinen wirtschaftlichen Risiken hinzutretenden besonderen Gefährdungstatbestand für den Kunden geschaffen bzw. dessen Entstehung begünstigt hat.

Zu dieser Feststellung gelangte das Gericht aufgrund der umfangreichen Zeugenaussagen, u.a. der früheren Geschäftsführer der GMAC. Demnach war das gesamte Geschäftsmodell der GMAC (nur) darauf angelegt, nach dem sog. „Verbriefungsmodell“ – so das Landgericht Wiesbaden – Immobilienfinanzierungen im großen Stil einzusammeln und in Paketen von mehreren 1000 Verträgen am Kapitalmarkt an Investoren zu verkaufen und dadurch das Kreditrisiko voll und ausschließlich auf den Käufer zu übertragen. Um diese hohe Anzahl der Finanzierungen zu erreichen, hat die GMAC ausschließlich mit Finanzierungsvermittlern zusammen gearbeitet und diese speziell geschult. Da es der GMAC nur um die Weiterveräußerung der Kredite ging, erfolgte auch die Beleihungswertermittlung der zu finanzierenden Immobilien – wenn überhaupt – nur unzureichend. U.a. hatte die GMAC zur Wertermittlung die sog. HVB-Expertise genutzt, welche nach Feststellungen des Gerichts dafür jedoch ungeeignet war und oftmals nur die Angebotspreise gerade auch betrügerischer Bauträger und Immobilienvermittler wiederspiegelte. Oder die GMAC ermittelte im Rahmen einer sog. ‘Globaleinwertung’ mit der ungeeigneten HVB-Expertise nur den Wert einer Wohnung innerhalb eines Objekts und nahm bei weiteren Finanzierungen darauf lediglich Bezug. Oftmals gab sich die GMAC aber auch bereits mit nur minimalsten Stichproben aus Immoscout (Online Immobilien-Verkaufsportal) zufrieden und nahm damit bewusst das Risiko in Kauf, dass der Wert der Immobilie letztlich nur vom Verkäufer der Immobilie durch deren Angebot am Immobilienmarkt vorgegeben worden ist.

Durch dieses Verhalten hatte die GMAC nach Ansicht des Landgerichts besondere Gefahrumstände geschaffen, die eine kreditgebende Bank, die das Ausfallrisiko selbst trägt, so nicht geschaffen hätte. Die GMAC hat die potentiellen Darlehensnehmer systematisch nicht darauf hingewiesen, dass nur eine reine formale Bewertung der Immobilie stattfindet, weil sie selbst überhaupt kein Risiko hatte und dadurch das Risiko des Missbrauchs durch unredliche Vermittler noch erhöht werde.

Daher hat die GMAC der Klägerin den gesamten, durch den Erwerb und die Finanzierung der Immobilie entstandenen Schaden zu ersetzen. Letztlich stellte das Gericht fest, dass der Kaufpreis „evident sittenwidrig überteuert“ war.

Sollte dieses Urteil auch in der II. Instanz Bestand haben, dürfte es sich um eine richtungsweisende Entscheidung handeln, wonach die GMAC in allen von ihr finanzierten Käufen von Eigentumswohnungen erfolgreich auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden kann.

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